Impressions Storys

Zu Gast im magischen Monkey Forest in Ubud

Bei unserer ersten Bali-Reise ließen wir den Monkey Forest in Ubud aus. Die eher warnenden, negativen Geschichten von aggressiven Affen hatten uns abgeschreckt. Nun waren wir aber doch dort. Und es wurde eines meiner Bali-Highlights.

Der Monkey Forest befindet sich relativ unauffällig ganz am Ende der Monkey Forest Road in Ubud in einer Kurve. Man weiß, dass man dem Affenwald näher kommt, wenn man feststellt, dass sich in den Auslagen der kleinen Shops am Straßenrand T-Shirts mit Affenaufdruck häufen. Und eben: An den Affen, die sich auch abseits der Waldgrenze ab und zu mal tummeln. Meistens werden sie ziemlich energisch von den Balinesen mittels Zischlauten und wedelnden Bewegungen ziemlich schnell verscheucht. Aber sie kommen immer wieder.

Wir standen schon kurz vor Öffnung am Affenwald, die Morgenkühle lag noch angenehm über allem. Und als wir den Wald betraten, waren wir noch ganz alleine. Bis auf die Affen. Natürlich.

Obwohl die Wege hier von Menschen geschaffen wurden, stellte sich direkt das Gefühl ein, dass wir hier einen Ort betraten, der den Affen gehörte. Ihr heiliger Wald. Es roch überall ein bisschen modrig, ein bisschen nach feuchtem Moos. Diese Gerüche verstärkten den Eindruck, an einem wirklich alten, heiligen Ort zu sein.

Hinunter zum Wasser-Tempel im Monkey Forest

Wir kamen bald an eine Kreuzung. Wollten wir erst hinunter steigen zum Wasser-Tempel oder oben bleiben und den Rundweg starten. Wir entschieden uns kurzentschlossen für den Wasser-Tempel. Die vielen Stufen hinunter an einen dunklen, geheimnisvollen Ort weckten unsere Neugier.

Beim langsamen, bedächtigen Abstieg kamen wir wieder an einigen, mächtigen Banyan-Bäumen vorbei. Diese Baumriesen gelten als heilig auf Bali. Kein Wunder. In ihrer Gegenwart wird man fast von selbst von Demut ergriffen und fühlt deutlich, wie klein man so als kleines Menschlein doch ist. Ein echtes baumgewordenes Wunder.

 

Unten angekommen finden wir einen Fluss vor, der sich durch den Dschungel schlängelt. Wir hören das Rauschen des Wassers und hier und da ein Knacken in den Ästen von den Affen, die uns beobachten. Ansonsten ist es mucksmäuschenstill.

Ich bin schwer begeistert von der alten, moosbewachsenen Steinbrücke, die man passieren muss, um zum Wassertempel zu gelangen. Wie oft auf Bali enden die beiden Brückengeländer in Figuren der beiden Wasserschlangen, die in der balinesischen Götterwelt der Unterwelt zugeordnet werden. „Water-Keepers“ nennt Wayan, unser Lieblingsfahrer, sie. An heiligen Orten, die mit Wasser zu tun haben, trifft man die beiden Drachenschlangen besonders häufig an.

 

Nun aber zum Wassertempel. Er ist ziemlich klein und duckt sich demütig unter das schützende Blätterdach der Bäume. Auch der Tempel, von Menschenhand erbaut, ist nur Beiwerk im Monkey Forest. Eine kleine Aufmerksamkeit für den Affengott Hanuman und seine lebenden Verkörperungen.

Dem Tempel ist ein kleines Wasserbecken vorgelagert, dessen sich die überwältigende Natur rundherum bereits bemächtigt hat. Touristen werfen Münzen ins Wasser – was vollkommener Blödsinn ist. Aber offenbar wecken manche Brunnen und Orte mit Wasser bei Touris aus aller Welt das Bedürfnis mit Geld um sich zu werfen.

Wir können uns nur auf die Zehenspitzen stellen und zum Tempel hinaufschielen: Betreten verboten (besonders für so léger gekleidete Touristen wie uns). Dennoch – an den reichgeschmückten Tempeln auf Bali kann ich mich sowieso nicht satt sehen. Obwohl ihre Pracht so zerbrechlich und vergänglich ist, da sie immer aus Holz gefertigt sind, hält man daran strikt fest. Sie sollen nämlich zerfallen – damit die Balinesen sie wieder neu errichten können. Mit Hingabe. Um die Götter so immer wieder von neuem zu ehren.

Den lebenden Reinkarnationen Hanumans werden immer wieder auch steinerne Nachbildungen zur Seite gestellt. Der stechende Blick kommt von mühevoll eingelassenen Steinen in die Augen.

Etwas versteckt hinter dem Tempel kann man noch ein Stück am Flusslauf entlang gehen und die Ruhe genießen.

Während wir hier entlangstromern, stellt sich die Mittagshitze langsam ein. Ganz langsam spürt man, wie sich Schweiß auf der Haut absetzt, obwohl man ganz in Ruhe ist. Auch die Luft verändert sich, wird feuchter und ein bisschen dicker. Das dichte Blätterdach hat uns eine Weile von der Hitze abgeschirmt, doch nun wirkt es wie eine Käseglocke. Und wir werden darunter langsam aber sicher durchgegart.

Zeit also, den Monkey Forest weiter zu erkunden, bevor die Kräfte schwinden. Noch ein letzter Blick auf meine Lieblingsbrücke.

Und wir machen uns an den Aufstieg in Richtung des Haupttempels. Die Aussicht verändert sich immer wieder ein bisschen. Bleibt aber atemberaubend – und das liegt nicht nur daran, dass wir in der Schwüle schwerer atmen.

Das satte Grün des Waldes wirkt beruhigend, wenn der Blutdruck steigt. „Magisch“, denke ich mir immer wieder.

 

Affen-Entertainment am Haupttempel des Monkey Forest

Auch am Haupttempel stehen wir vor verschlossenen Türen. Die Balinesen hält dies jedoch nicht davon ab, ihre Opfergaben auf den Stufen zum Tor abzulegen. Die Affen, die hier sowohl Bewohner als auch Torwächter sind, freuen sich. Hier kann man endlich einmal beobachten, wie sich die Götter die für sie gedachten Opfergaben einverleiben. Und wer mag, kann von einem freundlichen Balinesen Bananen kaufen, um die Affen anzulocken. Schüchtern sind sie nicht, Hanumans Nachfahren. Im Nu sitzen sie auf deiner Schulter und klauen dir die Sonnenbrille vom Kopf. Es ist also Vorsicht geboten.

 

Man sollte auch ab und zu nach oben schauen.

Ja, die Affen sind hier die legitimen Hausherren. Sie scheinen es zu wissen. Und sie sind ganz offensichtlich an Leckerbissen von ihren Gästen gewöhnt.

Auch ich werde zum „Opfer“. Etwas erschöpft und durstig lassen wir uns nur kurz an einem der kleinen Dächer nieder, um einen Schluck zu trinken. Ich nestele an meinem Rucksack und plötzlich sehe ich eine kleine Affenhand, die in die entgegengesetzte Richtung zieht. In letzter Sekunde reiße ich dem kleinen Kerl die Linsenabdeckung meiner Kamera wieder aus der Hand und suche das Weite. Der Affe hat gewonnen – er darf bleiben, wir gehen.

Einen Höhepunkt haben wir noch vor uns: Der Friedhof mit Siva-Tempel, der sich ebenfalls auf dem Gelände des Monkey-Forest befindet. Er bildet den Abschluss unseres Besuches. Unterwegs kommen wir noch an diesem stattlichen Herrn vorbei. Die inzwischen deutlich angewachsene Besucherdichte lässt den erfahrenen Monkey Forest-Bewohner absolut kalt. Ganz cool chili er da auf dem Geländer und lässt sich gleichmütig fotografieren.

Überhaupt kommen wir nur langsam vorwärts, weil ich immer wieder ein tolles Affenmotiv zum Fotografieren finde. Auch die Opfergaben an andere Götter, die im Gegensatz zu den Affen, nur in Steinform anwesend scheinen, wandern in die Mägen der Affen. Aber sie genießen ja auch Heimvorteil.

Aber nur wenige Schritte weiter ist er dann schließlich da – der Friedhof.

Der Totentempel Pura Dalem Agung Padang Tegal im Monkey Forest

Im Siva-Tempel neben dem Friedhof duftet es köstlich nach Reis. Er wird oft den Opfergaben beigefügt – diesmal dient er jedoch den Angestellten, die gerade Pause machen, als Mittagessen.

Der Friedhof selbst macht seinem Namen alle Ehre. Friedlich ist es hier wohl. Der Lärm von der Straße in unmittelbarer Nähe wird durch die Bäume etwas gedämpft. Wie überall, ist auch hier viel Moos. Alles sieht mystisch aus und sehr alt. Friedhofsgäste sind lediglich die Affen.

Falls euch auch das Hakenkreuz links auf dem Grabstein aufgefallen ist – hier liegt natürlich kein eingefleischter Nazi begraben. Das Hakenkreuz bzw. das Swastika ist in der hinduistischen Tradition tief verwurzelt und hat nur positive Hintergründe. Das Wort Swastika kommt aus dem Sanskrit und bedeutet etwa: „Glücksverheißend“, „Heilbringend“ oder „Glück bringend“. Es kann auch für den Sonnengott Surya stehen. Immer aber ist damit das „allumfassende Eine“ gemeint. Alles greift ineinander, alles steht miteinander in Verbindung.

Eine so gruselige Figur würden wir auf unseren deutschen Friedhöfen wohl eher nicht finden. Der Tod ist ja schon schlimm genug, sollte man denken. Dennoch bewachen den Totentempel unheimliche Figuren, die die menschenverschlingende Hexe und Totengöttin Durga oder Rangda symbolisieren. Auch die furchteinflößenden Götter wollen und müssen verehrt und gnädig gestimmt werden.

Hier opfern Familien für ihre Toten, die hier begraben liegen. Auch wenn diese Gräber nicht die letzte Station für die Toten sind.

Um wiedergeboren zu werden, müssen balinesische Verstorbene verbrannt werden. Eine Verbrennungszeremonie ist jedoch sehr teuer – viele Familien können sich diese nicht unmittelbar nach dem Ableben eines lieben Verwandten leisten. Daher ist dieser Friedhof nur eine Zwischenstation. Vor der großen Verbrennugnszeremonie, die dann stattfindet, wenn die Familie sie sich leisten kann.

Mir läuft dabei ehrlich gesagt ein kleiner Schauer über den Rücken. Für die Balinesen ist dies jedoch Teil des Lebens im Einklang mit ihrem Glauben.

Do’s and Don’ts im Sacred Monkey Forest

Wie bereits gesagt: Für mich war der Monkey Forest ein absolutes Highlight unserer Bali-Reise. Selten spürt man die Beziehung zwischen Göttern und Menschen im Hinduismus so unmittelbar wie hier. Außerdem sind die Affen wirklich niedlich.

Do:

  • Unbedingt schon früh morgens vor dem Touristenansturm kommen. Unsere erste Stunde, als wir noch fast alleine im Wald waren, war magisch. Die Ruhe und Erhabenheit des Ortes kann man in Einsamkeit viel besser erleben.
  • Vorher Infos einholen. Es gibt so viel zu wissen über Balis Kultur. Wenn ihr euch dafür interessiert, lest bereits vor eurem Besuch im Monkey Forest das ein oder andere zu den Tempeln und den Statuen, die euch dort begegnen. Dann wisst ihr in dem Moment, in dem ihr alles „live“ seht, bereits, was dahinter steckt. Man sieht die Dinge dann mit ganz anderen Augen.
  • Nehmt eine Kamera mit und macht viele, viele, viele Bilder.

Don’t:

  • Affen streicheln. Sie sehen niedlich aus, aber mit ihnen ist nicht zu spaßen. Die Affen sind flinker, als ihr denkt. Und außerdem bleiben sie Wildtiere, auch wenn sie so zutraulich wirken. Mit einem Affenbiss ist ebenfalls nicht zu spaßen.
  • Sonnenbrillen und Mützen tragen. Zumindest in Affennähe. Die heiligen Affen sind nämlich echt flinke Diebe.
  • Eure Füße im heiligen Wasser baden. Am Wassertempel gibt es auch Quellen, an denen sich Touristen erfrischen können. Dort gibt es auch Schilder, auf denen steht, dass im kühlen Wasser bitte nicht die Füße gekühlt werden sollen. Trotzdem machen es Touristen immer wieder. Da Füße jedoch als schmutziges Körperteil gelten, ist dieses Verhalten ziemlich respektlos. Hier sind die balinesischen Götter zu Hause und auch hier gilt: Ihr Haus, ihre Regeln.

 

Abschließend kann ich sagen: Es war eine unvergleichliche Erfahrung. Ich konnte im Monkey Forest besonders gut fühlen, warum ich Bali so liebe. Es ist Demut, Hingabe, aber auch Lebendigkeit – und ein Hauch Mysterium.

Die Affen – ja sie sind „aggressiv“. Sie leben eben in freier Natur und verhalten sich eben so, wie Wildtiere es tun und tun sollten. Wer hier auf Zooäffchen hofft, die lustige Dinge in ihren Käfigen machen, ist hier falsch. Aber, wer sich achtsam verhält und sich gut auf den Besuch einstellt, kann hier ein paar tolle, wertvolle Stunden haben.

Habt ihr den Monkey Forest schon einmal besucht? Wie waren eure Eindrücke? Oder welche Orte kennt ihr, an denen euch die Stimmung total überwältigt hat? Welche „magischen Erlebnisse“ hattet ihr schon? Ich bin neugierig!

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