Mind Yoga

Yoga-Monatschallenge: Der achtfache Pfad des Yoga in unserer Zeit – Meditation gegen das „Monkey Mind“

Ich liebe Yoga. Nichts auf der Welt erdet und entspannt mich mehr. Aber hinter Yoga steckt weit mehr, als die Körperübungen, die wahrscheinlich viele vorrangig mit Yoga verbinden. Der sogenannte achtfache Pfad ist die Philosophie, die hinter Yoga steckt und die helfen soll, unser Leben erfüllender, liebevoller und hingebungsvoller zu gestalten – für uns, für andere und für die Welt selbst.

Obwohl diese Regeln uralt sind, haben sie doch nichts an Gültigkeit eingebüßt. Im traditionellen Sinn soll der achtfache Pfad des Yoga letztendlich zur Erleuchtung führen. Der Erkenntnis Deines wahren Selbst, des Wissens um Deinen „göttlichen Funken“ und dass alles in Wahrheit eins ist. Bis sich die Erleuchtung einstellt (oder eben nicht), gibt es aber noch einiges zu lernen. Jeder Schritt führt uns näher an ein erfülltes Leben, Stück für Stück rücken wir näher an die Entfaltung unseres Selbst, werden zufriedener und klarer. All das sind Eigenschaften, die wir heutzutage dringend brauchen und selten in so hohem Maße haben, wie wir könnten.

Zugegeben, den achtfachen Pfad über Nacht vollständig einhalten zu wollen – das wäre ein Mammutprojekt und würde wahrscheinlich auch den konzentriertesten Geist überfordern. Wir haben nun mal alle unser jeweiliges Gleichgewicht, in dem wir unser Leben leben, unsere „Komfortzone“, in der wir funktionieren. Ein solches „Betriebssystem“ programmiert man nicht über Nacht um. Das wussten die Menschen aber auch damals schon. Der achtgliedrige Pfad war nie dazu gedacht, von jetzt auf gleich alles umzusetzen. Er ist eher eine Treppe, die uns Stück für Stück näher zur „Befreiung“ bringen soll.

Und ich habe mir gedacht: Warum nicht eine Monatschallenge daraus machen?

Der Aufbau des achtgliedrigen Pfades

Traditionell sieht der „edle achtgliedrige Pfad“ nach Patanjali so aus:

1. Yama: Hier geht es um unsere Haltung nach Außen. Wie wir mit anderen Menschen und der Welt, in der wir leben, umgehen.
2. Niyama: Niyama bezeichnet wiederum unsere Haltung nach Innen und wie wir mit uns selbst umgehen.
3. Asana: Auf der dritten Stufe finden wir schließlich die Körperübungen, die „Asanas“, die einigen wohl am ehesten in den Sinn kommen, wenn sie an Yoga denken.
4. Pranayama – die Atemübungen: In einer guten Yoga-Stunde haben immer auch die Atemübungen ihren Platz. Sie sind nicht nur gesund, sondern wir können durch sie bestimmte Effekte gezielt hervorrufen. Entspannung oder Aktivität, Erwärmung oder Kühlung, Konzentration und nicht zuletzt können manche Atemübungen sogar gegen Allergien helfen.
5. Pratyahara: Der Rückzug der Sinne nach Innen. Hier geht es um Dinge wie Achtsamkeit und die Konzentration auf das Wesentliche. „Digital Detoxing“ wäre heutzutage ebenfalls hier gut aufgehoben.
6. Dharana: Konzentration. Klingt simpel, ist aber schwierig. Sich voll und ganz auf eine einzige Sache zu konzentrieren ist etwas, das fast niemandem auf Anhieb wirklich gelingt. Dharana ist eine gute Vorstufe zur Meditation.
7. Dhyana: Hier finden wir sie dann schließlich – die Meditation. Egal ob man das Meditieren über „Dharana“ übt oder direkt „richtig“ einsteigt. Regelmäßige Meditation ist einer der Grundpfeiler des  Yoga und ebenfalls Teil jeder guten Yoga-Stunde.
8. Samadhi – zu guter Letzt. Samadhi ist das „Erwachen zur Erleuchtung“. Wer es so weit geschafft hat, der erfährt die „Einheit allen Seins“, fühlt sich geborgen im Hier und Jetzt und empfindet sich als Teil eines großen Ganzen.

Klingt abgehoben? Macht nichts …

Wie schon gesagt – keiner muss verzagen, wenn ihm nicht die mystische „Erleuchtung“ zuteil wird. Die logischen Lebens“Richtlinien“ können jedes Leben leichter, gelassener und erfüllter machen, egal wo wir damit anfangen. Ich selbst bin da noch ziemlich am Anfang, wenn nicht sogar ganz. Immerhin habe ich schon die Vorteile kennengelernt, die regelmäßige Meditation mit sich bringen kann. Leider schläft das regelmäßige Meditieren auch bei mir immer wieder ein oder geht unter zwischen Terminen, Arbeit und auch Freizeit(stress). Trotzdem weiß ich aber nur zu gut: In Zeiten, in denen ich regelmäßig meditiere, bin ich gesammelter, gelassener und einfach nicht so leicht aus meiner Mitte zu werfen. Grund genug, die Sache jetzt noch etwas ehrgeiziger anzupacken. Ich möchte Dich einladen, Dich anzuschließen.

Die Challenge 

Dies soll eine Monatschallenge werden und der Monat ist gerade so ziemlich genau zur Hälfte um. Aber das muss natürlich nicht zum Problem werden. Daher habe ich mir gedacht, starten wir doch einfach direkt und steigen für den verbleibenden halben April direkt mit „Dhyana“ ein – der siebten Stufe des achtfachen Pfades. Das ist aus mehreren Gründen eigentlich total sinnvoll.

  1. Regelmäßige Meditationspraxis zeitigt schnelle Erfolge
  2. Das motiviert.
  3. Es lockert die ganze Sache ein bisschen auf, denn …

… wer sich den achtfachen Pfad von oben nach unten anschaut, der könnte schnell auf den Gedanken kommen, dass man erst Stufe 1 gemeistert haben muss, um Stufe 2 in Angriff zu nehmen und immer so weiter. Das würde aber bedeuten, dass es womöglich seeeeehr lang dauern würde, bis man endlich mit dem Meditieren anfangen „dürfte“. Und das wäre jammerschade und taktisch auch irgendwie nicht so klug. Es ist nämlich (für den Anfang) völlig egal, ob wir direkt in tiefe Versenkung fallen, kaum dass wir uns im perfekt ausgeführten Lotussitz niedergelassen haben. Jede Meditation ist besser als keine.

Tipps fürs Meditieren

Wer mit dem Meditieren anfängt, dem könnte die ganze Sache zunächst etwas, nun ja, „awkward“ vorkommen. Sich einfach einige Minuten still und mit geschlossenen Augen irgendwo hinzusetzen und sich nicht zu bewegen, ist nun mal einfach nicht so richtig Teil unseres Alltages. Daher empfiehlt es sich, für den Anfang irgendein Plätzchen aufzusuchen, an dem Du ganz alleine und ungestört bist. Oft wird einem ja geraten, eine wunderschöne Meditationsecke einzurichten, möglicherweise sogar mit kleinem Altar. Das ist schön, muss aber wirklich nicht sein. Das Einrichten einer Meditationsecke soll Dich nicht davon abhalten, einfach loszulegen. Ich für meinen Teil habe mit dem Meditieren mitten im Wohnzimmer auf dem Fußboden angefangen. Die Sonne ging gerade vor unserem Erkerfenster so wunderschön unter, da hatte ich Lust mich mit dem Gesicht Richtung Sonne zu setzen und zu meditieren. Und so fing alles an.

Weitere Tipps:

  • Versuche das Meditieren zu einem Ritual zu machen

    Am flüssigsten läuft die Sache, wenn das Meditieren etwas so Selbstverständliches wird, wie etwa das Zähneputzen. Dabei würde es helfen, wenn Du Deine Meditationspraxis jeden Tag etwa zur gleichen Zeit durchführen könntest. Ich selbst schaffe das (noch) nicht immer. Aber eine solche Regelmäßigkeit ist natürlich hilfreich, um Dich in diesem Ritual besser entspannen zu können.

 

  • Scheue nicht vor Hilfsmitteln zurück

    Wenn Dir die absolute Stille und Regungslosigkeit nicht liegt, ist das auch nicht schlimm. Jedes Hilfsmittel ist legitim. Apps wie beispielsweise „Headspace“ geben Dir einen aufbauenden Meditationsplan an der Hand, an dem Du Dich entlanghangeln kannst und mit dessen Hilfe Du Dich langsam steigern kannst. Eine andere Möglichkeit sind geführte Meditationen, die Dich mit sanfter Stimme und/oder mit Entspannungsmusik durch die Meditation leiten. Alles, was hilft, ist legitim. Du kannst Dich anfangs auf Deinen Atem konzentrieren oder Dir ein bestimmtes Bild vorstellen. Entweder ein gedankliches Bild oder ein gegenständliches. Andere stellen sich eine Kerzenflamme vor oder konzentrieren sich auf die Flamme einer echten Kerze.

 

  • Mache Dir klar, dass Meditation kein Wettbewerb ist

    Wenn immer wieder Gedanken hochkommen und Du abschweifst, so darf das sein. Gerade am Anfang wird sich Dein Gedankenkarussell beim Meditieren vielleicht sogar noch schneller drehen, als wenn Du nicht meditierst. Das ist normal. Lass die Gedanken aufkommen und weiterziehen. Kehre einfach immer wieder zu Deiner Konzentration zurück, egal ob das Dein Atem, ein Bild oder ein Gedanke ist. Meditation ist ein probates Mittel gegen das sogenannte Monkey-Mind. Unser „Affenhirn“ ist es gewohnt wie ein Affe von Baum zu Baum, bzw. von Gedanke zu Gedanke, zu springen – vollkommen ruh- und rastlos. Das ist vor allem unserer schnelllebigen Gesellschaft geschuldet, die uns ständig verschiedene Reize um die Ohren haut. Aber mit Meditation kannst Du das Äffchen nach und nach gut zähmen.

Was Meditation noch kann

Neben Entspannung bewirkt Meditation noch so manches. In der Meditation erhalten wir beispielsweise Antworten auf Fragen, die wir uns ganz tief in uns selbst stellen. Du kannst beispielsweise über die Frage „Wer bin ich?“ meditieren und schauen, was Deinem Unterbewusstsein dazu einfällt. Oder Du meditierst über die Frage „Was ist meine Bestimmung?“ oder „Was ist mein Herzenswunsch?“. Auch hier – nicht verzagen, wenn nicht gleich eine salbungsvolle Antwort, die vom Dalai Lama persönlich sein könnte, aus Deinem Unterbewusstsein aufsteigt. Die Tiefe, die Du bei Deiner Meditation erreichen kannst, ist stark abhängig von Deiner Tagesform und letztendlich auch von der regelmäßigen Übung.

Startschuss

Wenn Du Dich auch auf den achtfachen Pfad begeben und mal schauen möchtest, wohin er Dich führt, freue ich mich, wenn Du Dich anschließen möchtest. Bis zum 30. April will ich jeden Tag 10 bis 20 Minuten meditieren. Das wird schon allein wegen der Osterfeiertage eine Herausforderung – zumindest ich werde da viel Familie um mich haben (aber gerade da, wird mir die Meditation besonders gut tun).

Zum 1. Mai erweitern wir die ganze Sache um einen neuen Teil des achtfachen Pfades. Um uns wirklich Schritt für Schritt auf alles einlassen zu können, fächern wir den Yama- und Niyama-Teil noch einmal in fünf Unterpunkte auf. Gut Ding will schließlich Weile haben. Spannend wird vor allem die Frage, wie sich das alte Wissen in unserer heutigen Zeit umsetzen lässt (Digital Detox kannten die Yogis im alten Indien wahrscheinlich noch nicht …).

Wenn Du Deine Erfahrungen mit mir teilen möchtest, würde ich mich natürlich riesig freuen. Vielleicht können wir uns auch ein bisschen gegenseitig motivieren. Solltest Du gar einen eigenen Blogeintrag zum Thema verfassen wollen, dann freue ich mich, wenn Du dabei kurz auf die Challenge aufmerksam machst und Deinen Artikel in einem Kommentar verlinkst.

Ich bin gespannt!

 

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